Neue Wege zur Beschäftigung von Menschen mit BehinderungenAm 10. und 11. Juni 2010 haben 170 Fachkräfte der beruflichen Integration behinderter Menschen aus 10 Ländern Europas neue Wege zur Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen geprüft. Finanziell gefördert wurde die Konferenz vom Europäischen Sozialfonds, dem Hessischen Ministerium für Arbeit, Frauen und Gesundheit sowie von Aktion Mensch. Ausgerichtet wurde die Tagung vom Bildungs- und Sozialträger Arbeit und Bildung e.V. mit Unterstützung des europäischen Verbandes ARFIE, dem Mittelhessischen Bildungsverband und der LAG Integration. Im Fokus standen innovative Ansätze zur Eingliederung von Menschen mit Behinderungen in den allgemeinen Arbeitsmarkt.
Hessens Arbeitsminister Jürgen Banzer formulierte das Ziel der hessischen Landesregierung, die Integration von Menschen mit Behinderungen in den allgemeinen Arbeitsmarkt voranzubringen. Menschen mit Behinderungen sollten „Rückenwind“ erhalten, um die Beschäftigungssituation schwerbehinderter Menschen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu befördern.
Wichtige und weiterführende Überlegungen zu einem gelungenen Übergang von der Schule in den allgemeinen Arbeitsmarkt wurden sowohl aus dem Vinschgau in Italien als auch der Region Vorarlberg in Österreich vorgestellt. Innovationen in Italien wurden an Hand von Sozial-Kooperativen dargestellt, die zu einem nicht unerheblichen Anteil den Gedanken der sozialen Eingliederung und Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen verbinden mit ökologischen Gesichtspunkten sowie der Idee des fairen Handels.
Weitere Referenten beleuchteten die beschrittenen Wege in Frankreich und Belgien. Nicht zuletzt wurde die Integrationsmöglichkeit über Arbeits- und Firmenprojekte in Integrationsfirmen und kommunalen Beschäftigungsgesellschaften erörtert. Beeindruckend war zudem, wie selbst in den neuen Beitrittsländern Ungarn und Polen unter erschwerten ökonomischen Bedingungen innovative Modelle zur Teilhabe am Arbeitsleben entwickelt werden.
Am Ende der Tagung wurde eine Empfehlung verabschiedet. In diesem Zusammenhang wurden die Prüfung und der Ausbau neuer Wege zur Beschäftigung von Menschen mit Behinderung durch Politik, Kostenträger, Institutionen der Behindertenhilfe und Gesetzgeber empfohlen. Einheitlich wurden Ausschreibungen als Vergabemittel für soziale Dienstleistungen zur beruflichen Integration behinderter Menschen als nicht geeignetes Mittel zur Optimierung der derzeitigen Arbeitsangebote angesehen. Mutiger sollten die Instrumentarien der unterstützten Beschäftigung und des persönlichen Budgets genutzt und die Eingliederungserfolge durch diese Instrumentarien dokumentiert werden.
Auch in der neuen Sicht der Sozialraumorientierung wurden Chancen für die Eingliederung von Menschen mit Behinderungen in den 1. Arbeitsmarkt gesehen. Die Förderung und Lösungen sollen individueller werden und dem Gedanken der Wahlfreiheit der Leistungsnutzer Rechnung tragen. Deutlich wurde, dass die Dienstleister in den unterschiedlichen Segmenten der Beschäftigung und Förderung behinderter Menschen in einem Wettbewerb untereinander stehen und sich dessen bewusst sein sollten. Statt sich in Konkurrenz zu bekämpfen, sollten die Träger der sozialen Einrichtungen und unterschiedlichen Eingliederungswege die Vielfalt der Angebote nutzen und im Sinne eines Schnittstellenmanagements Übergänge ermöglichen zu stärkerer Inklusion.
Die Redebeiträge der Referenten/Referentinnen mit unterschiedlichen europäischen Ansätzen und Wegen sind auf der Tagungshomepage unter http://www.bruecken-bauen-marburg.de/ veröffentlicht.
Über den Austausch und die erfolgte Netzwerkentwicklung gelang es, deutsche und europäische Beiträge hinsichtlich ihrer Gemeinsamkeiten, aber auch ihrer länderspezifischen Unterschiede kennen zu lernen, zu diskutieren und im eigenen Kontext bislang Fremdes zu schätzen. Erhaltene Anregungen auf der Tagung über „neue Wege“ werden durch die Tagungsteilnehmer und Referenten in ihre Netzwerke eingebracht mit dem Ziel der Weiterentwicklung der jeweils nationalen Eingliederungspraktiken und dem Lernen aus europäischen best-practice Beispielen.