Kurzbeschreibung
Ziel des Lernhaus-Projektes ist die Qualifizierung von Frauen zu Kulturmittlerinnen. Die im Verlauf der zweijährigen Maßnahme erworbenen Kompetenzen sollen die Chancen auf berufliche und gesellschaftliche Integration stärken.
In einer festen Teilnehmerinnengruppe lernen die Frauen von- und miteinander entlang eines Rahmencurriculums zu den Themen:
- Stärkung der kommunikativen Fähigkeiten
- Umgang mit Konflikten
- Stärkung interkultureller Kompetenzen
- Erwerb von Moderationstechniken
- Erwerb von Grundlagenwissen zu Religion, Gender, Bildung, kulturelle Differenzen und Gemeinsamkeiten im Lebensalltag.
Modellhaft nehmen an dem Projekt deutsche und zugewanderte Frauen gemeinsam teil. Als „Netzwerkerinnen“ sollen sie sich im Rahmen beruflicher und zivilgesellschaftlicher Aktivitäten für das positive Zusammenleben in der von Zuwanderung und Internationalität geprägten Stadt Frankfurt einsetzen.
Interkulturelle und Methodenkompetenzen, die im Projekt „Lernhaus der Frauen Frankfurt“ erworben werden, sind erfahrungsgemäß ein großer Wettbewerbsvorteil auf dem Arbeitsmarkt und stärken die beruflichen Ein- und Aufstiegschancen der Teilnehmerinnen. Frankfurt beschreitet mit dem Entwurf des neuen Integrationskonzeptes neue Wege: Das Konzept fußt auf der Beteiligung aller hier lebenden Bürgerinnen und Bürger. Die Qualifizierung von kompetenten Kulturmittlerinnen ist hierfür ein ideales Instrument.
Zielsetzung des Projektes
Hauptziel des auf zwei Jahre angelegten Projektes ist die Qualifizierung von Frauen zu Kulturmittlerinnen. Mit den erworbenen Kompetenzen stärken zuvor arbeitslose Teilnehmerinnen ihre Zugangswege zum Arbeitsmarkt. Berufstätigen Teilnehmerinnen eröffnet die berufsbegleitende Qualifizierung Chancen des beruflichen Aufstiegs, bzw. der qualifikationsadäquaten Beschäftigungsmöglichkeiten. Übergeordnetes Ziel ist die Vermittlung interkultureller Kompetenzen, die im Rahmen zivilgesellschaftlichen Engagements und im beruflichen Zusammenhang in vielfältigen Bereichen umgesetzt werden.
Vorgehensweise
Das Konzept ist modular aufgebaut und umfasst insgesamt ca. 250 Zeitstunden.Es werden regelmäßig stattfindende Gruppensitzungen, z.B. in Form von Informations- und Vernetzungsveranstaltungen mit relevanten lokalen Akteuren und Fachleuten im Bereich Migration durchgeführt. In Wochenendtrainings werden u. a. kulturelles und religiöses Basiswissen, Methodenkompetenzen zu Dialog und Kommunikation, Konfliktmediation, Moderationstechniken, Interkulturelle Kompetenzen, Organisation und Öffentlichkeitsarbeit vermittelt, die der vertiefenden Kompetenzentwicklung dienen.
Das dargestellte Qualifizierungskonzept stellt ein Rahmencurriculum dar, das in seiner konkreten Ausgestaltung unter enger Mitwirkung der Teilnehmerinnen weiterentwickelt wird. Diese starke Mitwirkungsmöglichkeit unterstützt den Aktivierungsprozess und zielt darauf ab, die Frauen als Expertinnen ihrer Migrationsgeschichte, ihrer politischen, kulturellen und religiösen Identität wertzuschätzen und zu stärken.
Zwischenergebnisse
Die bisher zweite Gruppe des Lernhauses Frankfurt besteht aktuell aus 17 Frauen aus England, Thailand, dem Kosovo, dem Iran, Mexiko, Japan, Korea, Italien, Marokko, Brasilien, Eritrea, der Türkei, Venezuela und Deutschland. Sie sind im Schwerpunkt zwischen 30 und 40 Jahren alt.
Zwei Veranstaltungen zum Thema „Land meiner Kindheit“ wurden von den TN selbst gestaltet und durchgeführt. Im Juni 2009 fand ein zweitägiges Dialogtraining statt. Zwei Vernetzungsveranstaltungen mit der vietnamesischen Pagode „Phat Hue“ und dem Dialogmuseum unter dem Thema „fremde Welten“ wurden im Sommer 2009 durchgeführt.
Anlässlich der politischen Unruhen im Iran berichtete eine iranische Teilnehmerin über Geschichte, Politik und wirtschaftliche Grundlagen ihres Herkunftslandes.
Ein Basiswissen-Training zum Thema „Die Rolle der Frauen in den monotheistischen Religionen“ fand im Herbst 2009 statt. Die Beschäftigung mit den verschiedenen Beerdigungsritualen wurde mit einem Besuch des Jüdischen Friedhofs Frankfurt verbunden (in Kooperation mit der VHS).
Ein weiterer Themenschwerpunkt war die Auswirkung von Migration auf die kindliche Entwicklung und die Auseinandersetzung mit dem Begriff „third culture kids“.
Auch relevante öffentliche Diskussionen finden Beachtung. So wurde der Entwurf des Integrationskonzepts für die Stadt Frankfurt in der Lernhaus-Gruppe diskutiert.