Staatsekretärin Petra Müller-Klepper: „Potenziale nicht verschenken“
Eine erste Zwischenbilanz auf der Veranstaltung am 7. Oktober 2010 in Frankfurt des neuen Netzwerk Wiedereinstieg NeW zeigt deutlich positive Effekte des Zusammenschlusses.
„Durch die Zusammenarbeit von sieben Trägern in Frankfurt, Wiesbaden, Darmstadt und Gießen ist ein neues Modell entstanden, das die Erfolgschancen für Wiedereinsteigerinnen verbessert und viele Frauen aus der so genannten ‚stillen Reserve‘ erreicht. Ihnen wird geholfen, nach der Kindererziehung oder Pflege den Sprung zurück ins Berufsleben zu wagen“, teilte Petra Müller-Klepper, Staatssekretärin im Hessischen Sozialministerium, erste Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung mit. Das Land fördert das Projekt mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) in Höhe von rund 1 Million Euro.
Die Frauen werden nach den Worten der Staatssekretärin durch individuell zugeschnittene Beratung, Qualifikation und Vermittlung unterstützt. Bestehende Kontakte zu anderen Weiterbildungseinrichtungen und der Bundesagentur für Arbeit würden ebenso genutzt wie die Vernetzungen zu regionalen Unternehmen. Der Auf- und Ausbau weiterer Unterstützungsstrukturen sei erforderlich. „Das Potenzial der Wiedereinsteigerinnen wird noch zu wenig erschlossen. 80 Prozent der nicht erwerbstätigen Frauen wollen spätestens dann in den Beruf zurück, wenn die Kinder größer sind. Die meisten verfügen über qualifizierte Abschlüsse und bringen neben hoher Einsatzbereitschaft wichtige soziale Kompetenzen mit, die sie durch die Familienarbeit erworben haben. Die Wiedereinstiegsquote liegt aber nur bei 13 Prozent.“, erklärte Petra Müller-Klepper.
2009 waren in Hessen im Jahresdurchschnitt 3.195 Berufsrückkehrerinnen arbeitslos gemeldet. Die Dunkelziffer wird deutlich höher geschätzt. „Die Entscheidung, länger auszusteigen, darf nicht zu einer Sackgasse werden“, so die Staatssekretärin. Der Brückenschlag zwischen Wiedereinsteigerinnen und Unternehmen werde angesichts der demographischen Entwicklung und des drohenden Fachkräftemangels aus arbeitsmarktpolitischer Sicht immer wichtiger. „Zwei Drittel der Mütter, die aus dem Erwerbsleben aussteigen, haben eine Berufsausbildung. Der Arbeitsmarkt braucht diese vielen gut qualifizierten Frauen. Sie haben noch 20 bis 30 Erwerbsjahre vor sich und sind damit ein wichtiger Faktor für die Personalentwicklung in Unternehmen.“
Das Netzwerk begleitet Wiedereinsteigerinnen im Rhein-Main-Gebiet und der Region Gießen bei der Rückkehr in den Arbeitsmarkt, verhilft Unternehmen zu kompetenten Arbeitnehmerinnen und sensibilisiert für das Thema Wiedereinstieg. Es besteht aus sieben Projekten in Frankfurt, Darmstadt, Gießen und Wiesbaden, die eine Kombination aus Informations-, Beratungs-, Qualifizierungs- und Vermittlungsangeboten für Berufsrückkehrerinnen nach Eltern- oder Pflegezeiten bieten. Die Träger, die bereits auf lokaler Ebene seit langem erfolgreich tätig sind, arbeiten standortübergreifend zusammen, schaffen Transparenz über die vorhandenen Angebote und bauen neue Beratungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten auf. Der modellhafte Verbund vermittelt Betriebspraktika, hilft bei der Stellenvermittlung und begleitet bei der Existenzgründung.
Die Projekte richten sich an Frauen aller Nationalitäten, die gerne wieder berufstätig wären – auch solche, die sich selbständig machen wollen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den Sozialberufen. Die Wiedereinsteigerinnen werden verstärkt auf die Zukunftsperspektiven in den Erziehungs-, Pflege- und Gesundheitsberufen hingewiesen. Bis zum Projektende im September nächsten Jahres sollen über 1.500 Frauen Unterstützung finden.
Weitere Informationen und die Dokumentation der Veranstaltung unter http://www.new-hessen.de/und bei der Koordinationsstelle des Netzwerkes:
berami berufliche Integration e.V.
Susanne Zastrau
Telefon 069/ 91 30 10 – 34
E-Mail: mailto:koordination@new-hessen.de