Die Evaluation des ESF+-Programms „Berufsqualifizierende Sprachförderung Plus“ (BQS+) zeigt: Hessen stärkt seine Arbeitsmarktmaßnahmen deutlich, indem fachliche Qualifizierung konsequent mit Deutschförderung verknüpft wird. Herzstück sind Teamteaching – Fach- und Sprachlehrkräfte unterrichten gemeinsam – und eine handlungsorientierte Szenariendidaktik, bei der Sprache direkt in realistischen beruflichen Situationen gelernt wird.
Für die Evaluation wurden unter anderem die Träger der BQS+ -Maßnahmen - Akteure der Arbeitsmarktförderung und Jugendhilfe – nach ihren Erfahrungen mit dem Förderprogramm gefragt.
Auffällig in ihrer Bewertung des BQS+ Programms ist die sehr hohe Zustimmung des befragten Trägerpersonals zum Teamteaching: 96 % bewerten den Ansatz als exzellent, insbesondere wegen besserer Lernbegleitung und höherer Motivation der Teilnehmenden. Die HABS-Schulungen zur Szenariendidaktik werden überwiegend positiv gesehen, treffen aber bei Quereinsteigenden teils auf Überforderung und wirken für erfahrene DaZ-Lehrkräfte teilweise redundant.
Trotz der methodischen Erfolge stehen die Träger in der Praxis vor erheblichen Herausforderungen. Qualifizierte Sprachförderkräfte sind schwer zu finden, insbesondere im Wettbewerb mit besser vergüteten Integrationskursen und Regelschulen. Außerdem ist die Teilnehmendengruppe extrem heterogen: 94 % haben einen Migrationshintergrund, 76 % sind Drittstaatsangehörige. Das Leistungsspektrum und der Bildungshintergrund in den Kursen klaffen dabei weit auseinander – die Spannweite reicht von Personen ohne Abschluss bis zu Akademikerinnen und Akademikern.
Bis Anfang 2026 wurden durch das ESF+ Hessen Programm BQS+ 4.606 Personen erreicht, die Maßnahmen dauern meist 12 bis 24 Monate. Knapp zwei Drittel der Austritte erfolgten regulär nach Maßnahmeabschluss. Die Evaluation identifiziert erhöhte Abbruchrisiken bei Teilnehmenden unter 30 Jahren, Männern, Arbeitslosen und Drittstaatsangehörigen. Bei erwachsenen Geflüchteten dominieren finanzielle Zwänge und familiäre Erwartungen als Abbruchgründe, während schulmüde Jugendliche an Alltagsstrukturen und Motivationsdefiziten scheitern.
Mit einer kurzfristigen Erwerbsquote von 26 Prozent direkt nach dem Austritt leisten die BQS+-Maßnahmen aktuell einen stärkeren Beitrag zur Schaffung grundlegender Integrationsvorbedingungen als zur sofortigen, direkten Vermittlung in den Arbeitsmarkt.
Wenn Sie wissen möchten, wie berufsbezogene Sprachförderung in der Praxis funktioniert, wo sie an Grenzen stößt und welche Stellschrauben für die Weiterentwicklung entscheidend sind, finden Sie im vollständigen Zwischenbericht eine dichte Mischung aus Zahlen, Praxisstimmen und konkreten Empfehlungen.